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Wer ist der Festivalfotograf? Ein Portrait über Klaus Polkowski

Rückblende auf das Jahr 2013. Die Schwarz-Weiss Bilder der Stars hängen im Gang von der Mercedes Lounge. Nina Hagen. Al Jarreau. The Boss Hoss. Ich bleibe bei Till Brönner stehen und halte inne. Unfassbar schöne Aufnahmen. Dann sehe ich den Namen auf dem Schild neben den Bildern hängend. Klaus Polkowski.

Moment mal. Den kenne ich doch. Aber woher? Ich war nach meinem Umzug nicht mal fünf Stunden in Freiburg und kannte keine Sau. Dann fiel es mir wieder ein. Eine gemeinsame Freundin hat uns über Facebook vorgestellt, weil sie wußte, dass ich nach Freiburg ziehe. Damals hatte er eine Bilderserie auf Facebook namens „Heute ist ein GUTER Tag,“ bei der er täglich wunderschöne Bilder gepostet hat. Mal schnell Kontakt aufnehmen, damit ich zumindest eine Person kannte. Daß wir uns verlieben würden, wußte ich an jenem Junitag noch nicht.

Selbst wenn Du kein einziges Mal dieses Jahr auf dem Festivalplatz warst, kamst Du trotzdem mit Klaus auf irgendeiner Art und Weise in Berührung, denn seine Bilder sind nicht nur auf dem Gelände zu sehen, sondern überall in der Stadt und mittlerweile auch weltweit verbreitet.

Seine Anfänge als Festivalfotograf hat er indirekt Heiner und Traudl Sannwald zu verdanken. Der gelernte Krankenpfleger durfte 1999 Heiners Geburtstagsparty fotografieren, auf der er Alex Heisler kennen lernte. Nach einem kurzen Gespräch hat er die Erlaubnis bekommen, drei Tage lang Bilder von den Handwerkern beim Zeltaufbau zu machen. Es war damals eine revolutionäre Idee, Handwerker vor Festivalbeginn zu portraitieren. An so was hatte niemand vorher gedacht. Sie waren so beeindruckt, dass sie ihn als Festivalfotografen sofort engagieren wollten. Ob er auch die Künstler Backstage fotografieren durfte? Bisher war das Tabu, aber irgendetwas sagte den Organisatoren, daß Klaus das gut meistern würde. Danach ging seine Karriere als Fotograf steil nach oben.

Seit 18 Jahren rennt Festivalfotograf Klaus Polkowski auf dem Gelände mit seinen Kameras herum, um die besonderen Momente des ZMFs zu dokumentieren. Nicht nur weil er so lange dabei ist, sondern auch weil er so gut ist, nimmt er den Spirit der Menschen und deren Umwelt realitätsnah auf. Er sieht die Welt mit offenem Herzen an. Und das spürst Du, wenn Du eines seiner Bilder siehst.

„Es fühlt sich an wie ein Ritterschlag, von ihm portraitiert zu werden,“ sagte mir neulich ZMF-Förderkreisvorsitzender Till Hahndorf.

Ob es der Papst, der Dalai Lama oder Frau Müller von neben an ist, behandelt er alle Menschen, die vor seiner Kamera stehen, gleich. „Komm, ich mache schnell ein Bild von Euch,“ hört man oft von ihm. Immer wieder schafft er es, binnen Sekunden geniale Bilder ins Leben zu rufen.

Es ist schwer zwischen Klaus’ Gabe und dem ZMF-Zauber zu unterscheiden. Seine Bilder sind die Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was mal auf den Bildern war gibt es nicht mehr, aber der Geist dahinter existiert weiter. Auch wenn es die Menschen nicht mehr gibt, bleibt das Bild bestehen.

Wie Giora Feidman mit seiner Musik zu machen versucht, berührt auch Klaus die Seele des Betrachters. Besser gesagt: Er versucht es nicht mal. Er tut es einfach.

Es bedarf einer gewissen Großzügigkeit, Menschen so zu portraitieren wie Klaus Polkowski es tut. Vielleicht weil Klaus einfach Klaus ist, bleibt er in seiner Fotografie so ehrlich. Er will niemanden verbiegen, ganz zuletzt sich selbst. Da entstehen Situationen automatisch – ungestellt, real, wahrhaftig, wunderschön. Er ist Profi und Kumpel zugleich.

Ich weiss immer, wenn er anfängt, „Come on, baby, baby, baby!“ zu schreien, dass er sein Sujet geknackt hat. Er hat Vertrauen aufgebaut, die Menschen sind warm gelaufen, sie haben Spaß und wollen alles geben, den Moment genießen, einfach da sein.

Ohne Klaus Polkowski wäre das ZMF nur ein paar Momente, die man vielleicht doch zu vergessen pflegt. Durch seine Bilder sind sie verewigt.

Und auch wenn ich heute tränenreich realisiere, daß das ZMF 2016 offiziell zu Ende geht, haben wir dank Klaus, den ich über alles liebe, noch die visuellen Erinnerungen an die Dinge, die wir gemeinsam erlebt haben.

Ja wohl, meine lieben Leser/Innen. Selbst heute ist ein GUTER Tag.

 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

http://www.butterflypr.de

 

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