Oliver Scheidies
Oliver Scheidies
MI 17.7.19 22:30 Uhr, Kleinkunstbühne

Scheidies' Texte sind kleine lyrische Juwelen. Gerade weil er jegliche Distanz aufgibt und auch dorthin schaut, wo Versagen, Elend oder Hoffnungslosigkeit wohnen, werden sie so kostbar. Denn sein Blick ist zwar durchdringend, aber liebevoll und neugierig. Scheidies besingt die Einsamkeit des gestrandeten Kapitäns, die Neurosen der verzweifelten Hausfrau, die Resignation des Bettlers in der Berline U-Bahn sowie die Sehnsucht des Wolfes in einem Bordell in Neckarstadt-West.

In seinen Liedern schwingt so viel Anteilnahme für seine Alltagshelden mit, dass die Hoffnung und Zuversicht auf eine echte Menschlichkeit fast mit Händen zu greifen ist. Scheidies lotet die Verzweiflung der menschlichen Seele aus und das tut er mit feinsinnig, poetischem Humor und einem originellen Witz, der befreiend wirkt. Also ja, wir sind alle ein bisschen gestört und das ist gut so. Denn dieses fröhliche Stolpern und Scheitern, so Scheidies, zeichnet den heutigen Menschen aus.

Sein sinnlicher Bassbariton, das virtuose Gitarrenspiel, die Wortakrobatik sowie sein schauspielerisches Talent sind weitere Zutaten, die Scheidies und seine "abgrundtief lustige Liederpoesie" weit aus der Masse der liedermachenden Zukunft heraushebt. Begleitet wird Scheidies von Konstantin Schülke, dem jungen und dynamischen Perkussionisten.