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Platz nehmen!

Wenn man ihn sieht, nimmt man sofort seine ruhige, jedoch bestimmende Autorität wahr. Mütze bis fast über den Augen sitzend, Bluetoothknopf am Ohr. Helmut Kaiser hat die Einlaßkontrolle im Griff.

Wenn Du (berechtigterweise mit einer Karte) ins ZMF-Konzert willst, kommst Du an seinen Leuten nicht vorbei. Es sind die netten schwarzgekleideten Menschen, die am Ein- und Ausgang nach dem Rechten schauen. Im Zirkuszelt stehen sie auch an den Bühnenseiten, falls sich jemand dorthin verirrt. Oder wenn ein Irre über das Gitter und auf die Bühne klettern will. Das sehen die dann nicht mehr so netten schwarzgekleideten Menschen ungern. Zum Glück, so Helmut, kommt solche Vorfälle erst gar nicht auf dem ZMF vor.

Prävention statt Intervention. Ja wohl! Am Anfang des Festivals kannte die Einlaßtruppe mich noch nicht. Ich radelte aufs Gras vor dem Tourbuseingang und wurde prompt angehalten, damit sie eine Ausweiskontrolle durchführen konnten. Gut so, denn wir wollen schließlich, dass Ordnung statt Chaos im Backstagebereich herrscht.

Helmut macht einen sehr kompetenten Job. Während seiner Essenspause erzählt er mir, dass er seit 27 Jahren beim ZMF dabei ist. Für die ersten 10 Jahre war er in der Gastronomieverwaltung tätig; aber als Berufspolizist, der, wie er sagte, „bis zum bitteren Ende“ den Job ausgeübt hat, hat er sowohl Führungsqualitäten als auch Erfahrung mit brenzligen Situationen, die für den Job als Einlaßmeister sehr geeignet sind.

Gewisse Publikumsgruppen sind anstrengender als andere, meint er. Die Jugendlichen und das Dieter Thomas Kuhn Publikum empfindet er am angenehmsten. Sie sind locker drauf und auch verständnisvoll, wenn man einen kurzen Blick in die Tasche werfen muss, um zu schauen, dass keine Glasflaschen dabei sind.

Helmut und sein Team sorgen nicht nur für Ordnung bei den Eingängen, sondern auch für die Ordnung innerhalb der Zelte. Anfangs war es gar nicht die Aufgabe des Einlaßteams, die Stühle im Zirkuszelt abzubauen. Aber die Menschen waren irgendwie schon da und – mal ganz ehrlich – die Bühnentechniker hatten alle Hände mit dem Bühnenabbau nach der Vorstellung voll zu tun. Seit 2007 ist es also Tradition, dass das Team den Technikern bei dem Übergang von einem bestuhlten Konzert zu einem Stehkonzert helfen. Als kleine Motivation gibt es nach getaner Arbeit ein sogenanntes Stuhlbier. Wer würde nicht danach helfen wollen, denn gratis Bier schmeckt irgendwie besser. Mittlerweile gibt es einen gesunden Wettbewerb zwischen den Parkett- und Tribünenstuhlteams. Wer schneller ist wird mit Ehre überhäuft. Ob’s ein Extrabier gibt habe ich nicht gefragt.

Gerade als ich Helmut nach dem Bier fragen wollte, bekommt er einen Funk vom Spiegelzeltteam. Der Künstler möge eine Autogrammstunde nach dem Konzert einleiten. Ob Helmut zwei Sicherheitsmenschen entbehren könne?

Helmut sammelt seinen noch halbvollen Teller und geht in Richtung Geschirrrückgabe.

„Ich nehme immer ab, wenn ich hier bin,“ lächelt er freundlich. Dann wie ein Magiker verschwindet er in die Masse der Besucher, damit alles – wie immer – glattläuft.

 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

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