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Kultur, Kommunikation und die Kunst der Begegnung

Jeder, der auf dem ZMF schon mal war, kennt Alex Heisler. Vielleicht nicht persönlich, aber seine endlose Energie fließt über den Äther des Geländes wie der Wind über das Meer.  Vor 34 Jahren hat er das ZMF gegründet. Im ersten Festivaljahr fand es vor der Universität statt, danach auf dem alten Messegelände. Seit 31 Jahren nennt das ZMF Mundenhof sein offizielles Zuhause. Anfangs war es bei weitem auch nicht so groß, wie es jetzt ist.

An einem heißen Sommerabend saßen Alex und ich im Mitarbeiterbereich vor seinem berühmten Bauwagen, der wie ein Museum der Musikwelt wirkt. Die Wände, verziert mit Postern, Bildern und Erinnerungen an alten Zeiten, sprechen Bänder über die Erlebnisse der letzten dreieinhalb Jahrzehnte. Berühmte und noch nicht berühmte Menschen mischen sich in seinen musikalischen Annalen unter einander. Hauptsache es wird musiziert.

Schon als Student in München hat Alex Konzerte organisiert. Die Musik liegt wohl im Blut, denn sein Großvater, der  — wie Alex später — auch Arzt war, hat Konzerte mit seinem Freund Albert Schweizer gemacht. Seine Großmutter war Pianistin. Für den Großvater so wie den Enkel ging es immer um Kommunikation und Begegnung. Musik war nur der Rahmen dazu.

Dieser Idee ist Alex Heislers ZMF bis heute treu geblieben. Der Anspruch, Jahr ein, Jahr aus etwas Neues nach so vielen Jahren zu bieten, ist hoch. Den ZMF-Machern gelingt es jedoch jedes Mal.

„Das ZMF ist sehr kompakt,“ sagt der in Teningen-Köndringen praktizierende Arzt. „Man erlebt kulturell in drei Wochen, was die Meisten in einem ganzen Jahr erleben.“ Neben seiner Dauerpräsenz auf dem Gelände leitet Alex gleichzeitig seine Arztpraxis. Trotzdem ist er jeden Abend da, um die Bands anzukündigen und Werbung für den heutigen Galaabend mit Giora Feidman zu machen. Alex hat mehr Energie als jeder Stromversorger östlich des Rheins.

Nicht nur weil er schon bei ZMF von Anfang an dabei ist, sondern auch weil Alex Alex ist, gelingt es ihm, die tollsten Sachen zu erleben.

Eines Tages auf dem Gelände hat Alex erfahren, dass der deutsche Rennfahrer Jan Ullrich da war. Seine Gabe, solche Dinge mitzubekommen, liegt bestimmt daran, dass er und der Äther in diesem Leben ein schönes Miteinander gefunden haben. Er weiß es einfach.

Schnell schnappte er sein berühmtes Gästebuch und machte sich auf den Weg zur Crêpebude. In dem Jahr wurde Jan von der Tour de France disqualifiziert, weil er zu viel wog.  Was würde eine leckere ZMF-Crêpe wirklich schaden? Alex fragte den Budenbesitzer, ob er nicht aushelfen könnte. Die Stimmung auf dem Platz war noch ganz ruhig, also stimmte er zu. Alex durfte ein paar Crêpes auf der heißen Platte rollen als plötzlich Jan Ullrich vor ihm stand. Alex lächelte, machte ihm seine Bestellung fertig und drückte ihm gleichzeitig die Crêpe und das Gästebuch in der Hand.

Ein paar Minuten später schrieb der Rennfahrer eine Zeile. „Lecker war’s!“

Ich spüre eine gewisse Demut vor diesem Mann, der über Grenzen hinaus geht, damit Menschen alles erleben dürfen, was es zu erleben gibt. Er hat eine Plattform erschaffen, die das Leben von so vielen Menschen bereichert hat. Jeder hat die Wahl, es entweder anzunehmen oder abzulehnen. Das Angebot mit seiner verlockenden Wirkung ist trotzdem da. Viele haben es genutzt, um im Leben weiter zu kommen. Das ZMF ohne Alex wäre undenkbar.

Ich für meinen Teil sage „Danke“, dass es ihn gibt.


 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

http://www.butterflypr.de

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