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Die Mutter aller Festivals

Während die Welt in kopfschüttelndes Chaos stürzt, gibt es eine Oase der Magie, die trotz des Tumults der täglichen politischen Berichterstattung weiterhin existiert. In solchen extremen Zeiten brauchen wir die Kunst umso mehr.

Wir in Freiburg sind nicht nur mit dem genialsten Wetter Deutschlands gesegnet. Wir haben auch etwas, was die anderen nicht haben: das beste Musikfestival der Welt. Wenn Wahnsinn auf der Mattscheibe herrscht, können wir uns auf das Wesentliche im Leben konzentrieren: eine menschliche Verbindung durch Musik. Freiburg bietet einen ruhenden Pol im Sturm aller möglichen Desaster.

Kurz gesagt: Auf das ZMF ist Verlass. Jahr ein. Jahr aus.

Vom ersten Gründungstag an waren Bärbel Schäfer und ihr Mann Alfred dabei. 1983 am Platz der Alten Synagoge waren sie als begeisterte Studenten in der ersten Reihe. Selbst jetzt als Regierungspräsidentin ist Bärbel dem ZMF treu geblieben.

Bei der Eröffnungsfeier am 5. Juli nannte sie das Festival sogar „einen Ankerpunkt“ in ihrem Leben. Egal wie hektisch der Alltag ist, kommt sie mehrmals aufs Gelände, um das Leben, die Musik und Freundschaften zu feiern. Durch die Musik findet auch ein interkultureller Austausch statt, wie die spontane Performance zwischen Matt Woosey, einem brillanten Bluessänger aus England, und Emile Borde, dem Steeldrumstar aus Trinidad, zur späteren Stunde am selben Abend zeigt.

Alfred, der Bärbel zu Hause den Rücken frei hält, ist auch ihr Ankerpunkt, damit sie ihren überfüllten Terminkalender meistern kann. Das ZMF ist für die beiden eine Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre mit Freunden zu treffen, die man das ganze Jahr sonst nicht sieht.

„Das ZMF ist die Mutter aller Festivals“, sagte sie vor einem ZMF-Förderkreispublikum von über 400 Menschen als sie den Bescheid über das Förderungsgeld vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) an ZMF-Förderkreisvorsitzenden Till Hahndorf überreichte. Seit Anfang an fördert das Land Baden-Württemberg das ZMF. Dieses Jahr stiftet das MWK 60.000 Euro allein für die kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche auf dem Gelände. Als ZMF-Veranstalter ist der Förderkreis auf das Geld angewiesen, damit Karola Mohrs Actionprogramm noch voller Action sein darf.

Sicherlich braucht das Land Infrastruktur: Brücken, Straßen, Gesundheitswesen. Kultur schlägt Brücken, baut Wege, füttert die Seele. Kultur ist in der Tat zugleich auch Infrastruktur.

Man könnte meinen, dass das ZMF einem Klassentreffen ähnelt. Alte Freunde auf einem Haufen. Musik im Hintergrund. Oder im Vordergrund. Das ZMF, so Bärbel, verbindet die Menschen an lauen Sommerabenden. Es bietet ein Kontinuum und gehört zu Freiburg wie das Bächle selbst.

Das Chaos möge kommen. Wir feiern das Leben trotzdem. Mit Hilfe der Musik, der heilsamsten Kraft dieser Welt.


 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

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