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Meditation und der Meister der Musik

„Wenn Du bereit bist, eine Schippe draufzulegen, geht eine ganze Welt für Dich auf.“ Das sagte mir meine Mama jedenfalls immer.

Nach so vielen Konzerten und Erlebnissen hatte ich eigentlich am letzten Festivaltag vor, gemütlich von den unglaublichen Menschen, die ich dort getroffen hatte, Abschied zu nehmen, ein letztes Mal das leckere Catering zu kosten und die beiden Konzerte etwas nebenbei mitzuerleben. Von der Schippe keine Spur.

Und dann, wie so oft auf dem ZMF, kam alles anders. Es fing morgens um 9 Uhr schon an, als mein Lebensgefährte Klaus mir eine SMS schickte. Er war tatsächlich dabei, eine Schippe draufzulegen, da er mit nur vier Stunden Schlaf unterwegs war, um Herbie Hancock und seine Privatjetcrew in Lahr zu fotografieren. Als Festivalfotograf ist Klaus oft bis in die Nacht beschäftigt. An diesem morgen ist er aus dem Bett gesprungen, um Herbie und seine Leute direkt auf dem Rollfeld abzulichten.  Sein Manager war so beeindruckt von Klaus’ Einsatz, dass er ihm erlaubte – als absolute Ausnahme wohl gemerkt — auch Backstage und an der Bühnenseite während des Konzerts zu fotografieren. Normalerweise gibt es keine solchen Fotos, ganz zu schweigen von Interviews. Er fragte vorsichtig, ob doch noch eine Frage gestellt werden dürfte.

„Ja, Klaus. Weil Du es bist.“

Ein solcher Satz füllt mein Herz mit Stolz und mit einer gewissen Anerkennung für die Weisheit meiner Mutter. Durch Klaus’ großzügige Arbeit hatte ich die Gelegenheit, mit Herbie über Kunst und das Leben zu reden.

 

Seit seinem siebten Lebensjahr spielt Herbie Musik. Wenn Du ihn live auf der Bühne erlebst, weißt Du sofort, dass er dahin gehört. Der gegenseitige Respekt für alle Musiker in seiner Band führt zu einer unvergleichlichen Einheit.

„Als Jazzmusiker ist es wichtig, dass wir uns zuhören“, sagte mir James Genus, der Bassgitarrist. „Wir improvisieren die ganze Zeit. Du kannst nicht einfach die Nummern automatisch herunterspielen. Du musst mit Kopf und mit dem Herzen dabei sein.“

Vor dem Konzert zeigte Trommler Vinnie Colaiuta seine Bewunderung für die europäische Haltung gegenüber der Kunst.

„Das Publikum hört genau zu. Das merkst Du hier sofort. Ich kann die Energie hier auf dem ZMF jetzt schon spüren. Es ist wunderbar!“

Zum zweiten Mal füllt mein Herz mit Stolz an dem Tag.

Nach der Show wollte ich wirklich nur eine Frage stellen. Wie es dazu kam, dass Herbie einen online-Kurs namens „Master Class“ macht (die Antwort: er wurde von Christina Aguilera inspiriert). Aber dann kamen wir auf andere Themen, wie Meditation und was es bedeutet, Mensch zu sein. Seit 44 Jahren meditiert Herbie als praktizierender Buddhist. Vor jeder Show sammelt er seine Band zusammen, damit sie für 15 Minuten eine meditierende Auszeit nehmen.

„Buddhismus hat mir gezeigt, dass ich nicht nur Musiker bin. Ich bin auch Vater, Nachbar, Sohn. Wenn jemand mich heute fragt, wer ich bin, gebe ich eine Antwort: Ich bin ein Mensch. Genau wie Du.“

Es geht ihm darum, dass wir alle eins sind. Durch seine Musik zeigt er das auch.

Seine Botschaft sowohl auf der Bühne als auch im Leben ist klar:

Seid freundlich zueinander. Egal wer Du bist, weil jeder von uns wertvoll ist.

Das ist eine Botschaft, die ich gerne im Herzen weiter tragen werde.

 


 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

http://www.butterflypr.de

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