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Die Träume, die wir in uns tragen

Menschen sind Menschen, egal welchen Titel sie haben. Ich bin nicht besonders prominenteninteressiert, aber es gab schon eine Sängerin im Programmheft dieses Jahr, die ich gerne gesprochen hätte. Mal von Frau zu Frau. Über Dinge, die wichtig sind.

Schon seit Februar, als das ZMF-Programm 2017 vorgestellt wurde, träumte ich von einem schönen Interview mit Anastacia. Leider kam das Gespräch nicht zustande, was verständlich ist. Letztendlich hat sie das ZMF zum ersten Mal erlebt. Erst später merkst Du, wie anders es hier ist. Trotz der Absage habe ich als Zuschauerin heiter mitgetanzt und gesungen, denn ihre rauchig-soulige Stimme und ihre Performance auf der Bühne sind weltklasse.

Als ich vor dem Konzert das Gelände betrat, sah der Himmel schon wütend aus. Die Wolken waren bleischwer mit Wasser, das kurz vor Konzertbeginn um ca. 19:30 auf uns geschüttet hat. Hektisch wurden die Eingänge der Zelte zugemacht. Die letzte Hoffnung auf ein Interview gab ich auf, als die sintflutartigen Regenfälle unser Schicksal besiegelten– wir blieben vor der Show in der Mercedes Lounge stecken.

Eine Vorband kämpfte anfangs gegen den Lärm der unablässigen Schauer bis kurz vor 21 Uhr. Danach kam die Sängerin aus Chicago etwas unpünktlich auf die Bühne, um den alten Liedern neues Leben zu geben.

US-Produktionen  haben bekanntlich eine andere Einstellung gegenüber den Vorgängen hinter den Kulissen als manch europäische Künstler, die eine gewisse Bodenständigkeit erweisen. Was uns vereint jedoch ist die Liebe zu Musik, die trotz Terrorismus und negativer Schlagzeilen weiterhin eine heilende Wirkung haben kann.

In ihrem Lied von 2004 Left Outside Alone spricht sie über ihre Ängste. I don’t feel safe, I need to pray schmetterte sie am Freitag Abend mit ihrer üblichen Kraft. Wenn Du sie auf der Bühne erlebst, meinst Du nicht, dass sie besonders ängstlich ist. Sie gibt sich volksnah, spricht einen jungen Konzertbesucher namens Paul direkt an, umarmt sogar unseren geliebten Securitymann Mo, der vor der Bühne steht, um das Publikum in Schach zu halten. Sie lobt ihn, dass er seinen Job richtig gut macht. Tut er auch.

„Jeder von uns hat ein Päckchen zu tragen“, sagte Anastacia, als sie sich bei dem deutschen Publikum für seine Unterstützung während ihrer Krebserkrankung 2003 bedankt hat. „Ihr habt mir in Deutschland insbesondere geholfen – durch Euer Verständnis, Eure Geduld. Ihr ward immer bei mir. Das werde ich nie vergessen.“

Eine wahrhaftige Liebeserklärung, die uns gut tut.

Die Angst kann Träume zerstören. Der Mut kann sie verwirklichen. Bei ihrem Konzert habe ich sowohl ihre überwundene Angst vor dem Tod als auch ihren stetigen Mut gespürt. Und die Träume, die wir alle in uns tragen, dürfen einen weiteren Tag geträumt werden.


 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

http://www.butterflypr.de

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