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Die Fahrer des ZMFs

Schwarze Mütze mit glänzender Sonnenblende. Dunkle Sonnenbrille. Ernste Miene. Stramme Körperhaltung. Wortkarg und effizient. So stellt man sich einen Fahrer vor, der renommierte Menschen durch die Gegend kutschiert.

Auf dem ZMF ist alles ein bisschen anders. Nicht nur die Jobbeschreibung, sondern auch die Menschen dahinter, sind außerordentlich. Sie sind Alleskönner, die teils Prominente vom Flughafen abholen, teils eine rasche Spritztour machen, um Toilettenpapier und abstrakte Gegenstände zu organisieren.

Sie sind die Fahrer des ZMFs.

Mit der großzügigen Unterstützung von Mercedes haben die Fahrer Autos für die diversesten Aufgaben, die sie in den drei Wochen auf dem ZMF zu erledigen haben.

Als neustes Mitglied des Fahrerteams fing Hanna Teepe 2013 als Praktikantin im Produktionsbüro an. Dort lernte sie die gesamte Organisation kennen, die hinter den Kulissen läuft. Ab 2014 war die Studentin der Kunstgeschichte an der Universität Freiburg für den Job als Fahrerin gut gewappnet, da sie sich, zumindest mit dem Fahrrad, in der Stadt gut auskannte. Damals hüpfte sie zwischen Vorlesungssaal und Fahrersitz hin und her.

Seit 2002 ist Markus Hernold immer wieder als Fahrer auf dem Gelände zum Einsatz gekommen. Er ist meistens mit dem Mercedes Lieferwagen unterwegs. Am Anfang führt sein Weg oft zu der Firma BMS (Beschilderungs- und Markierungsservice GmbH in Freiburg), um Bauzäune und Schilder zu holen. Für die restlichen 49 Wochen ist Markus als Koch in einem kleinen Restaurant in Würzburg zu finden. Es sei denn, er ist mit einer seiner zwei Bands unterwegs. Markus ist nämlich auch Bassgitarrist.

Klaus Dünzen ist ebenfalls Musiker, der durch Klaus Hoffmann damals ermutigt worden ist, als Fahrer beim ZMF anzufangen.

Bei dem Job steht Flexibilität an der Tagesordnung. „Man muss sehr spontan sein“, sagte Klaus, „weil wir am Vormittag nie wissen, was wirklich bis abends passieren wird.“

Oft arbeitet das Trio auf Zuruf. Bei Engpässen steht auch Helmut Kaiser, der Leiter des Einlaßteams, zur Verfügung.

Gelegentlich fahren sie zum Flughafen – ob Stuttgart, Frankfurt, Zürich oder Basel – um prominente Künstler abzuholen. Es hängt vom jeweiligen Vertrag ab, welche Dienstleistungen die Künstler bekommen.

Sonderwünsche kommen auch manchmal vor. Als James Brown 2004 beim ZMF gespielt hat, ging es am Nachmittag etwas wilder zu.

„Wir bekamen die plötzliche Anweisung am Samstagnachmittag“, erinnerte sich Markus, „James Brown eine Trockenhaube zukommen zu lassen.“ Zu den damaligen analogen Zeiten gab es keinen gängigen Internetzugang. Also schlug er die gelben Seiten auf und fing an zu telefonieren. Die meisten Haarsalons standen kurz vor Ladenschluss und viele dachten es sei ein Radiogag.

James Brown? Trockenhaube. Sehr witzig! Markus leistete seine Überzeugungsarbeit, bis er eine freiwillige Friseurin gefunden hat.

Bei den US-Produktionen gibt es oft spezielle Anforderungen. Als Alice Cooper 2005 sein Gatorade haben wollte, musste Markus wieder springen, um genau die Marke vom Isodrink für den Rockkünstler zu organisieren. Nur damals wurde europaweit die Herstellung vom hiesigen Getränk bereits eingestellt. Nach stundenlanger Suche kam er in eine kurz vor der Insolvenz stehende Schleckerfiliale. In der weitesten Ecke des kleinen Ladens fand Markus ein paar staubige Flasche von Gatorade.

„Entschuldigen Sie, haben Sie noch mehr davon?“ Auf die Höchstgeschwindigkeit achtend eilte er zum Zirkuszelt zurück.

Volltreffer. Und so kam es, dass auch Alice sein Getränk dank des einfallreichen Fahrerteams doch noch genießen konnte.

Ob die drei besonders promibegeistert sind? Sie nehmen es locker. James Brown war äußerst nahbar, meinte Klaus. Hanna fand Roger Cicero sehr nett.

„Es sind ja letztendlich nur Menschen“, sagte Hanna. „Genau wie Du und ich.“

Einverstanden. Menschen sind wir alle. Manche haben ein leichtes Faible für das Unmögliche wie Sportsgetränke, die nicht mehr hergestellt werden oder Haargeräte, die kurz vor Ladenschluss auf den Mundenhof transportiert werden sollten.

Aber unmöglich ist fast gar nichts mit einem Team wie diesem.


 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

http://www.butterflypr.de

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