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„Kolibri-artige Schnelligkeit und die Musik des Reisens“

Donnerstag sollte ein Tag der Ruhe sein. Keine Gespräche. Keine Texte. Keinerlei Arbeit. Abgesehen von meinem Vollzeitjob wollte ich gar nichts zu Stande bringen. Mein Vornehmen war einfach: auf dem Gelände ein bisschen spazieren. Ein bisschen Schnattern. Ein bisschen Gucken. Ein Nickerchen im Wohnmobil habe ich sogar eingeplant und eingehalten. Frisch für die Nacht stand ich wieder mit dem Ursprungsplan im Kopf auf.

Bis ich das Fürstenbergzelt betrat.

Es ist ein Phänomen, das ich schon ein paar Mal auf dem ZMF erlebt habe. Hinter den Kulissen ist alles ziemlich ruhig. Du kannst essen. Du kannst chillen. Du kannst sogar kurz schlafen, wenn es sein muss. Aber sobald Du Dich auf der anderen Seite des Zaunes befindest, geht der Punk ab.

Oh ja. Man begibt sich in ein anderes Universum.

Und so geschah es mir – etwas schlaftrunken und mit der leichten Hoffnung, keine direkt im Gesicht erkennbaren Lakenmarkierungen zu haben –  dass die dreiköpfige Band The Trouble Notes ein ausverkauftes kostenloses Konzert vor einem absolut überirdisch ausgeflippten Publikum spielte.

Geigenspieler Bennet Cerven aus Chicago, sowie seine musikalischen Begleiter Gitarrist Flo Eisenschmidt (Berlin) und Trommler Oliver Maguire (London), haben ein Ensemble des Wahnsinns dargestellt. Sie spielten mit so viel Energie, dass man nicht mal erkennen konnte, wie ihre Musik überhaupt zustande kommt. Ihre kolibri-artige Performance hat das Zelt so gerockt, dass selbst die Lautsprecher und die Mikrophone der Spieler mit wippen mussten.

Bodenstampfend, schweißdampfend tanzte die Menschenmenge bis sogar ich wach wurde. 90 Minuten pure Akustik. Nicht nur die musikalische, sondern auch die visuelle Darbietung der Band ist ein wahrer Genuss.

Nein, bei solchen Talenten konnte ich es nicht lassen, doch noch ein paar Fragen gegen Mitternacht zu stellen.

Bennet spielt Geige seit er ein Dreikäsehoch war. Mit 17 ging er für sein Studium nach New York City, wo er sieben Jahre seines Lebens verbrachte. Die Straßenmusikszene hat ihn sehr beeinflusst, doch wollte der junge Musiker auch seine Leidenschaft für die Musik mit seiner Leidenschaft fürs Reise verbinden. Also fuhr er 2013 für eine Woche nach Paris. In der Zeit hat er genug Geld als Straßenmusiker verdient, sodass er zum ersten Mal dachte: „Ich schaffe es.“ Danach zog er nach London, dem Weltmekka der Musik. Jeden Monat ging es in eine andere Stadt, bis er die jetzige Band zusammenstellte.

Was will seine Band mit der Musik erreichen?

„Wir wollen das Reisen in Musik übersetzen.“

Seit 2015 spielt das Trio zusammen. Im Februar bekam die Band die Zusage für den Auftritt bei Karola Mohrs Actionprogramm im Fürstenbergzelt.

Ihr größter Traum ist es, nächstes Jahr im Spiegelzelt zu spielen. Mit jedem Youtube Video wächst ihre grenzüberschreitende Fangemeinschaft. Vor kurzem hatten sie bei einem ins Netz gestellten Video über 2 Millionen Klicks innerhalb von 24 Stunden bekommen.

„Ein solches Publikum wie das auf dem ZMF haben wir noch nie erlebt. Wir gaben den Menschen etwas. Sie gaben das Zehnfache zurück.“

Vielleicht haben wir doch noch die Chance auf dem ZMF nächstes Jahr, ausgeschlafen und voller Elan, dieser außergewöhnlichen Band unsere Wertschätzung zu zeigen.

 


 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

http://www.butterflypr.de

 

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