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Das Kind vom ZMF

Der Regen prasselt gegen das Wohnmobildach. Alle vier Geschwister samt Mama und Papa sind nach einem weiteren spannenden Tag auf dem Gelände endlich zur Ruhe gekommen. Der basslastige Herzschlag des ZMFs boomt weiter im Hintergrund. Morgen wird der Wecker wieder ganz früh klingeln. Die Schule – auch im Hochsommer – ruft.
Daniel Pfaff ist ein Kind des ZMFs. Auch mit seinen 20 Jahren freut er sich jedes Jahr aufs Neue, dass er für die gesamte Zeit des Festivals dort im Wohnwagen das tägliche Geschehen miterleben darf.  Als Kind von Dieter und Brigitte Pfaff ist er mit seinen biologischen und ZMF-bezogenen Geschwistern in einer Großfamilienatmosphäre groß geworden.  Die Heisler Kinder, schon in dritter Generation vertreten, haben genau so wie Daniel, das Gelände von Anfang an als zweites Zuhause betrachtet.

„Früher gab es ein Beachvolleyballfeld, auf dem sowohl die jungen als auch die älteren Herrschaften gespielt haben. Wir schlüpften durch enge Gassen und hatten unseren Spaß jeden Tag“, erinnert sich Daniel. Damals war das Gelände nicht so abgeriegelt und überwacht wie es heute ist.

Eine besondere Kindheitserinnerung hat Daniel vom ZMF-Urgesteinkünstler Perry Robinson, der dem damals sechsjährigen Kind eine Okarina geschenkt hat.  „Ich war immer so fasziniert von dem Instrument, das er um den Hals trug. Auf ein Mal hat er mir sie geschenkt. Die habe ich immer noch“, sagte Daniel. Trotz Schulpflicht sind die Pfaff-Kinder auch während der Schulzeit auf dem ZMF-Gelände zu Hause. „Als 16-jähriger war ich nicht ganz begeistert von der Schule und musste mich zwingen, im Produktionsbüro zu lernen.“ Kurz danach hat er wie seine zwei älteren Schwestern angefangen, in der ZMF-Gastronomie mitzuarbeiten. Das Abitur hat er auch vor ein paar Jahren geschafft. Heute studiert er Graphikdesign auf der Akademie für Kommunikation in Freiburg.

Seit 16 Jahren spielt Daniel Klavier. „Musik ist etwas, was ich lebe. Ich habe mir das Klavier spielen selbst beigebracht. Das ZMF hat einen sehr großen musikalischen Einfluß auf mich gehabt.“ Noten kann er nicht lesen. Er spielt nur nach Gehör, aber er kann jedes Lied spielen, das er ein oder zwei Mal gehört hat. Einfach so.

Einen Anlass zu jammen hat jeder Musiker, der sich traut. Die unterschiedlichsten Stilrichtungen und Kulturen kommen auf dem ZMF immer wieder in Kontakt.

„Wo erlebt man das sonst? ZMF gehört zu mir. Ich bin buchstäblich seit meiner Geburt dabei.“
Der 11. Juli soll der eigentliche Geburtstermin gewesen sein, aber Familie Pfaff wusste, dass das ZMF noch nicht zu Ende sein würde. Also verschoben sie den Kaiserschnitttermin auf den 14 Juli. Noch zwei Tage vor der Geburt tanzte Brigitte auf dem Gelände. Das ist der Grund, so die Legende, warum Daniel eine ausgeprägte Musikalität hat.

Heute hat Daniel Geburtstag. Er nimmt sich frei, um ausgiebig mit Freunden und Familie zu feiern. Und wo genau?
„Auf dem ZMF natürlich!“

Ja, das stimmt. Zuhause hat man es wirklich am schönsten.


 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

http://www.butterflypr.de

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