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Andreas Kümmert & eine Band namens Wanda

Zwei bombastische Konzerte in zwei Tagen. Musik, die meinem Geschmack total entspricht. Oberste Sahne, die man auch mal mitnehmen kann – ganz zum Schluß.

Das ZMF ist ein Ort, an dem man die Zeit tatsächlich vergißt. Die angesammelte Müdigkeit der letzten paar Wochen sickert langsam durch die Glieder, jedoch bleibt die Begeisterung für das Erlebte und das noch zu Erlebende unversehrt. Enorm glücklich für die Chance, die Künstler hautnah zu sehen, rede ich noch mit Andreas Kümmert und mit der österreichischen Alternative Rockband Wanda als krönender Abschluß meiner Backstagetour 2016.

Andreas_Kümmert_and_me_2016

Am Donnerstagabend sitzt Andreas Kümmert ganz lässig im Spiegelzelt und bewundert die Schönheit von Freiburg. Er weiß nicht, ob er schon mal hier war, denn für ihn ist es nicht wichtig wo er ist, sondern was er tut – nämlich Musik. Donnerstags bis Sonntags ist er auf Festivals. Unter der Woche hockt er daheim.

Was genau tut er da?

„Meine Steuererklärung. Verwaltungskram. Telefonate mit meiner Plattenfirma (sein neustes Album ‚Recovery Case’ kommt am 23. September 2016 heraus),“ sagt er mir ganz entspannt. Ein ganz Normalo, der sich mit solchen belanglosen Dingen beschäftigen muß.

Ob sich etwas nach seiner Krönung als The Voice of Germany 2013 verändert hat?

„Ich habe mich nicht verändert,“ sagt er mir. „Die Sicht der Anderen schon.“

Andreas macht seit über 10 Jahren Musik. Seine gewaltige Stimme versetzt uns alle, ihm inklusive, in eine Trance.  Du mußt ihn nicht mal live erleben, um zu verstehen, daß dieser Rocket Man ein wahrer Music Man ist. Seine Videos sprechen für sich und ich kann Dir sagen, er ist genau so echt im Leben wie man ihn auf der Mattscheibe sieht.

Bewegt hat mich auch die österreichische Band Wanda, die ich zufällig auf Arte im Juni gesehen habe. Im Frühjahr hat die Band mit Unterstützung von Arte ein Konzert verlost. Gewonnen hat eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung Maria Grünewald in Wittlich.

Wer nicht nur ein Konzert gratis macht, sondern auch seine Band nach Wiens einziger Zuhälterin der 70er Jahre (Wanda Kuchwalek) nennt, muß etwas besonders sein.

2012 war Gründungsjahr. Zwei Jahre später kam ihr Debütalbum Amore, welches von null auf Platz 13 der österreichischen Alben-Charts stieg. Zwei mal waren sie schon in Freiburg, zuletzt im Februar im Jazzhaus. Innerhalb der letzten sechs Monate sind sie raketenartig berühmt geworden.

Woran liegt es?

Laut kettenrauchendem Sänger Marco liegt es daran, daß sie die beste Band der Welt sei. Hmmm… wenn man das lauthals behaupten muß, glaube ich es nicht ganz. Er macht leicht den Eindruck, daß er den schnellen Ruhm zwar verkraften kann, aber trotzdem noch auf dem Weg zur Akzeptanz ist. Ich merke, daß alle Bandmitglieder eine Kippe im Mund haben. Akzeptanz oder Allianz durch ein hartes Rockerleben?

„Wir haben es angenommen, daß unsere Berufung zu unserem Leben geworden ist. Wir haben nichts mehr als das im Schädel,“ sagt Marco.

Die Sache mit dem Bandnamen will ich doch noch genauer wissen. Scheinbar ging die Großtante vom Gitarristen Manuel Poppe mit der berühmten Wanda in die Schule. Sie liebte Elvis und stanzte sich seinen Namen mit einem Draht auf ihren Arm. Eine hard-core Frau, die sich in einer Männerwelt durchgesetzt hat. Irgendwie ein Vorbild für die Gruppe, die eine vorher nichtexistierende Musikindustrie in Österreich mitgestaltet hat.

„Wir haben auf vieles verzichtet, um dieses Leben zu führen,“ sagt mir Marco zum Schluß.

Auf einmal haben wir alle keine Zeit mehr, vom Hundertsten ins Tausendste zu reden. Die Uhr läuft ab. Ruhe vor dem Konzert ist jetzt angesagt.

Als wir uns verabschieden, unterdrücke ich meine leicht bemutternde Tendenz, die Jungs in den Arm zu nehmen und zu sagen, „Ihr schafft das!“ Ich wünsche ihnen trotzdem viel Erfolg und verlasse das Zirkuszelt zum letzten Mal in dieser Saison.

Was mir von beiden Gesprächen übrig bleibt ist ein wehmütiges Gefühl, dass wir alle auf irgendwelche Entscheidungen treffen, die unser Leben für immer bestimmen. Ob wir sie bereuen ist nicht die Frage, sondern ob wir uns die Herausforderungen unserer Talente stellen und sogar ausleben, so gut wie wir es können. Die Künstler, die ich auf dem ZMF kennen gelernt habe, tun es. Die Mitwirkenden auch. Vielleicht ist deswegen dieser Ort die Quintessenz der Inspiration, die wir im Leben brauchen, um genau das zu erreichen, wofür wir bestimmt sind. Es gilt nicht nur für Musiker, sondern für uns alle.

 Christine_Hohlbaum_2016 Christine Hohlbaum ist eine in New York geborene und in Freiburg lebende Buchautorin und PR-Beraterin, die schon als Elfjährige wußte, daß sie eines Tages schreiben wollte.

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